Oliver Pötzsch

Die Henkerstochter und die schwarze Madonna

(Die Henkerstochter-Saga 9)

1681: Trotz seines fortgeschrittenen Alters macht der Schongauer Scharfrichter Jakob Kuisl noch einmal eine große Reise mit der Familie, eine Wallfahrt nach Altötting. Gleichzeitig mit den Kuisls befinden sich hochrangige Gäste im berühmten Pilgerort… mehr

Historischer Kriminalroman • eBook • 736 Seiten
ISBN 9783843727969 • Erscheinungstermin: 24.11.2022 • Ullstein Verlag

 

 

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Inhaltsangabe

1681: Trotz seines fortgeschrittenen Alters macht der Schongauer Scharfrichter Jakob Kuisl noch einmal eine große Reise mit der Familie, eine Wallfahrt nach Altötting. Gleichzeitig mit den Kuisls befinden sich hochrangige Gäste im berühmten Pilgerort: Kaiser Leopold I. von Österreich und der bayerische Kurfürst Max Emanuel wollen im Angesicht der Schwarzen Madonna ihre »Heilige Allianz« schmieden und sich im Kampf gegen die Türken verbünden. Doch dann wird der Leibarzt der Kaiserin vergiftet, und Jakob Kuisl wird just in der Heiligen Kapelle Zeuge eines versuchten Attentats. Kuisl ist sich sicher, dass die Allianz verhindert werden soll. Zusammen mit seiner Tochter Magdalena und dem Rest der Familie macht er sich auf die Suche nach dem geheimnisvollen Mörder.

Leseprobe

München, am Morgen des 26. Juli, Anno Domini 1649

Der Geruch des Todes war faulig wie ein toter Fisch, und er riss Johanna Malminger aus den schönsten Träumen.
Gerade noch hatte sie mit einem adretten jungen Burschen einen zwiefachen getanzt, so schnell, dass es ihr den Schweiß auf die Stirn trieb. Ganz nahe waren sie sich gekommen, ihr Schoß hatte sich an seine Lenden gepresst, seine starke Hand war ihr fordernd über Rücken und Gesäß gefahren, ihre Lippen hatten sich fast berührt. Doch als sie den unbekannten Jüngling küssen wollte, trug dieser plötzlich eine Maske.
Und als sie ihm die Maske vom Gesicht riss, grinste darunter ein Totenschädel, aus dessen Augenhöhlen stinkende schwarze Aale krochen.
Von dem Geruch war Johanna aufgewacht. Vom Gestank und von der Kälte.
Sie schüttelte sich, doch der faulige Geruch und auch die Kälte blieben. Schreckliche Kopfschmerzen plagten sie, die Zunge hing ihr wie ein trockener Lumpen am Gaumen. Noch immer hatte sie die Augen geschlossen, sie waren verklebt von Schweiß und Schmutz. Als sie sie jetzt mühsam öffnete, erkannte Johanna, dass sie nicht neben ihrer Schwester auf der flohverseuchten Bettstatt in der Auer Herberge lag und auch nicht verkatert unter dem für die Jakobidult aufgestellten Tanzboden drüben am Anger. Nein, sie befand sich in irgendeinem kalten, feuchten Loch. Grelles Sonnenlicht fiel durch eine Art Fenster, eine quadratische Öffnung in der gegenüberliegenden Wand. Johanna blinzelte, draußen war heller Tag.
Heller Tag?
Ein jäher Schreck durchfuhr Johanna. Sie hatte verschlafen! Bestimmt würde die alte Trude sie aus der Nähwerkstatt werfen, wo sie erst vor zwei Wochen angefangen hatte; beim letzten Zuspätkommen hatte die alte Vettel ihr das bereits angedroht. Was sollte dann aus ihr und ihrer erst zehnjähriger Schwester Liesl werden? Sie müssten betteln gehen, so wie viele andere junge Mädchen, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach München gekommen waren.